Sie dreht sich. Dreht sich weiter. Dreht sich um ihre eigene Achse. Bis sie alles vergessen hat. Alles, was man ihr zu lernen aufgezwungen hat. Wie man denkt. Wie man handelt. Wie man wahrnimmt.
Sie dreht sich, bis sie auf den Boden fällt und ihr Kopf auf den Steinplatten aufschlägt. In diesem Moment ist sie frei. Ist alles aus ihr heraußen. In diesem Moment spürt sie, wie es ist, man selbst zu sein. In diesem Moment gibt es nur sie, wie sie ist. Gibt jedes Teilchen aus dem sie besteht. Jedes einzelne kann sie wahrnehmen.
Danach kommt die Unendlichkeit. Die Unendlichkeit ist die wunderbarste Indifferenz. Die Unendlichkeit ist dort, wo man nicht mehr für andere Menschen fühlen muss. Das ist die größte Erleichterung. Sie existiert nicht mehr, sondern ist nur mehr die Indifferenz selbst. Sie kann sich lösen von allem. Vom Menschen.
Nach der Unendlichkeit kommt das Erschrecken. Weil alles wiederhergestellt wurde. Irgendwo hat es, sie, er sie in jene Welt gesetzt, aus der sie zu fliehen versucht hat. Man hat ihr die Indifferenz genommen. Hat ihr Liebe gegeben.
Hat ihr wieder die Fähigkeit zur Wahrnehmung des physischen Schmerzes gegeben. Jener Schmerz, der mit jener Wunde an ihrem Hinterkopf verbunden ist, aus dem das Blut so unbarmherzig trickelt. Der mit ihrem Kiefer verbunden ist.
Man hat ihr die heilendste aller Fähigkeiten zurückgegeben. Jene des Schmerzes.
Als sie aufgehoben wird, ist ihr, als wäre sie Liebe und Schmerz zugleich, für immer, und doch nur in diesem einzigartigen Moment. Sie sieht, wie sich die Welt an ihr vorbeibewegt. Jene Welt, deren sie ein Teil ist.
Aufwachen. In einem Raum. Allein. In einer Welt, die alles, was sie hervorbringt, erniedrigt. Aufrichten. Wahrnehmen. Leiden.
Sie verlässt den Raum. Ungeachtet ihrer Schmerzen. Reißt die Tür auf, stürzt in ein dunkles Loch. Windet sich am Boden vor Schmerz. Und genießt es. Kann wieder sie selbst sein.
Und später, Wochen später, als ihr Kopf nur mehr dunkel pocht, und die Haare ein wenig angefangen haben zu wachsen auf der Wunde, weiß sie, dass alles umsonst war. Dass man sich nahe kommen kann, und sich im nächsten Moment wieder verloren haben kann.
Sie kann lieben, sie liebt und leidet.
Menschsein ist zerstören
verwirren
verzweifeln
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