Ich habe einen Haufen Hosen. Ich habe einen Haufen Leiberl. Ich habe einen Haufen Pullover, Jacken, Röcke, Schuhe, Socken, Unterwäsche, Hauben und Handschuhe. Nicht, dass mir die Haufen nicht genug wären, es ist nur so, dass ich mir unbedingt was neues kaufen will. Ich habe sieben blaue Hosen, aber keine dunkeldunkelblaue, die anderen sind alle dunkelblau. Ich kann also einen neuen Kauf absolut verantworten. Ich brauche die neue Hose. Ab dem Moment, wo ich die Hose bezahle, bin ich richtig aufgeregt. Ab dem Moment, wo ich die Hose anziehe, bin ich glücklich.
Ich habe die Hose in dem Geschäft mit der Dudelmusik gekauft. Wie sie dorthin gekommen ist? Hab ich mir noch nie überlegt, ist mir egal. Im übrigen suche ich mir das Geschäft unter dem Gesichtspunkt des Preises aus, ich gehe dort hin, wo die Hosen am billigsten sind. Freie Marktwirtschaft und so. Ob ich das mit meinem Gewissen verantworten kann? Ja, natürlich, ich denke ja auch nicht wirklich darüber nach, und überhaupt: Was ist schon verwerflich an einem Hosenkauf? Ich wäre doch blöd, wenn ich eine teurere Hose kaufe, das hat doch auch für mich gar keine Vorteile.
Man hat also alles doppelt- und dreifach, alles haufenweise, und trotzdem: Ein Haufen ist eben nicht genug, und vor allem nicht gut genug; der Haufen muss erweitert, erneuert, verbessert werden. Im Grunde geht es gar nicht darum, einen Haufen zu haben - ganz im Gegenteil, er kann einem schnell zu groß werden - der wirkliche Hintergrund ist einerseits das Nicht-Nachdenken und andererseits die Verlockung des Neuen, die Identifikation damit und sein Symbolwert. Dass Konsumgüter zur Identifikation mit ebensolchem verleiten und zum Statussymbol werden können, ist klar, die Gründe dafür sind vermutlich psychologischer Natur; und obwohl auch sie wohl überdacht werden können, sind sie doch jedem Menschen immanent. Es ließe sich also auch viel über das Verhältnis Mensch-Konsum-Gesellschaft sagen, was aber viel wichtiger ist als die psychologische Komponente, das ist die soziale - und zwar im Bezug auf die Produktion der Güter und den Handel damit.
Mit dem Nachdenken über Konsum hält es sich nämlich anders als mit den Aspekten des Wieso, Wieviel und Was konsumieren: Nachdenken und Selbstreflexion, oder eben Nicht-Nachdenken und Nicht-Selbstreflexion sind Sachen der Faulheit. Willentlich kann man hier 180°-Drehungen in kürzester Zeit durchführen, das unreflektierte Durch-die-Welt-Wandeln druch Hinterfragen ersetzen.
Moderne Konsumkritik sollte also meiner Meinung nach stark auf wirtschaftlichen Fakten etc. basieren und weniger auf dem Hinterfragen der Gründe des Konsums.
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